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Die nachfolgenden Leitgedanken sind für uns, die Gründer des Felix-Klein-Zentrums für Mathematik in Kaiserslautern, Programm. Dieses Programm umzusetzen, ist unser Ziel. Dazu wollen wir die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland für uns gewinnen, die mit uns dem Vorbild von Felix Klein folgend einer gewandelten Wissenschaft und Gesellschaft Schritt für Schritt näher kommen wollen.
Wir sind überzeugt, dass sich reine und angewandte Mathematik, dass sich »homo ludens« und »homo faber« ergänzen, ja einander bedürfen.
 
Felix Klein stellte, als er als 23-Jähriger sein erstes Ordinariat in Erlangen antrat, das heute noch berühmte »Erlanger Programm« vor, das die verschiedenen Zweige der Geometrie vereinigte. Etwa 30 Jahre später studierte er komplexe mechanische Systeme wie etwa den Kreisel und schrieb im dritten Band seiner »Elementarmathematik vom höheren Standpunkt«, eine heute noch lesenswerte Einführung in die Numerik unter dem Titel »Präzisions- und Approximationsmathematik«. Felix-Klein sorgte auch dafür, dass die Mathematik in der Ausbildung der Ingenieure an technischen Hochschulen eine wesentlich größere Bedeutung erhielt.
Wir wollen in unserem Mathematikzentrum durch Integration vorhandener Lehrstühle und eine Reihe von Neuberufungen ein Themenspektrum abbilden, das von der algebraischen Geometrie bis zum wissenschaftlichen Rechnen, von der Funktionalanalysis bis zum mathematischen Modellieren, von der Wahrscheinlichkeitstheorie bis zur Risikoanalyse die ganze Breite der Mathematik bei größtmöglicher Tiefe abdeckt.
 
Felix Klein sorgte dafür, dass David Hilbert, Ludwig Prandtl und Carl Runge nach Göttingen berufen wurden - der beste »reine« Mathematiker, der den Rohstoff der Modelle lieferte, der beste Strömungsdynamiker, der noch heute gültige Modelle entwarf und der beste Numeriker, dessen Runge-Kutta-Verfahren auch heute noch »State-of-Art« sind. Dadurch wurde Göttingen in der Mathematik das »Princeton« der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts.
Wir wissen, dass Mathematik eine Schlüsseltechnologie, ein »Motor der Wirtschaft« ist. Der Fachbereich Mathematik der Technischen Universität Kaiserslautern und das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM wollen dies mit ihren Grundlagen- und praxisorientierten Arbeitsgruppen umsetzen. Das bedeutet auch, anspruchsvollen Herausforderungen in Technik, Lebenswissenschaften, Logistik, Kommunikation, Medizin und im Finanzwesen durch die Anwendung moderner mathematischer Methoden zu begegnen, die Mathematik selbst durch innovative Anstöße weiter zu entwickeln und gemeinsam mit Industriepartnern in Projekten umzusetzen.
 
Felix Klein begründete 1898 die »Göttinger Vereinigung zur Förderung der angewandten Physik und Mathematik«, zu der viele führende Industrievertreter gehörten, die auch Stiftungslehrstühle für angewandte Mathematik einrichteten. Auf seine Anregung hin wurde eine Modellversuchsanstalt für Luftfahrt in Göttingen eingerichtet, Vorgänger des heutigen Max-Planck Instituts für Strömungsdynamik.
Wir bemühen uns seit vielen Jahren, der Mathematik in der Schule eine neue »Bedeutung« zu geben, in dem wir Modellierungsseminare mit echten Praxisthemen veranstalten, ja dieses Konzept sogar exportieren.
 
Felix Klein hat Zeit seines Lebens den Problemen des mathematischen Unterrichts große Aufmerksamkeit gewidmet; er wollte sowohl ein höheres theoretisches Niveau wie auch eine anschauliche, praxisnahe Gestaltung des Unterrichts erreichen. Er glaubte auch, dass die Besinnung auf die historischen Wurzeln der Mathematik dem Unterricht gut täte und hat deshalb Bücher über die Geschichte der Mathematik geschrieben.
Last not least sind wir überzeugt, dass wissenschaftliche wie wirtschaftliche Gründe eine noch stärkere Internationalisierung notwendig machen.
 
Felix Klein machte zwischen 1893 und 1896 mehrere Reisen in die USA, er besuchte unter anderem Princeton und Yale und erhielt Rufe dorthin; er brachte von dort Doktoranden mit nach Göttingen, vor allem auch Frauen, da er sich mit als erster für das Frauenstudium stark machte.
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