Vortragsreihe »Blick über den Tellerrand«  /  05. Februar 2013, 17.00 - 18.30 Uhr

Was ist Legasthenie? Über 100 Jahre Forschung und kein bisschen klüger (?)

Trotz hinreichender intellektueller Fähigkeiten und Beschulung gelingt es einigen Kindern nicht, Lesen und Schreiben adäquat zu erlernen. Nach wie vor besteht keine Einigkeit über die Ursache(n) einer solchen umschriebenen Entwicklungsstörung (Legasthenie). Lesen ist eine komplexe Fertigkeit, welche die Koordination unterschiedlicher Wahrnehmungsprozesse voraussetzt, die evolutionär gesehen keineswegs spezifisch für die Schriftsprache sind. Wir sind beispielsweise darauf geeicht, Objekte unabhängig von ihrer räumlichen Lage im Gedächtnis zu repräsentieren. Beim Lesen stört aber ein solcher Mechanismus: Ein Buchstabe hat eine bestimmte Orientierung. Die meisten Kinder lernen dies recht schnell, einigen fällt es jedoch schwer. Weist das vielleicht auf einen beeinträchtigten Schriftspracherwerb hin?

 

Referent: Prof. Dr. Thomas Lachmann, Lehrstuhl für Psychologie II, TU Kaiserslautern