Felix-Klein-Herbstschule Rückblick 2026

Exklusiver Wissensaustausch und praxisnahe Projekte

Einmal im Jahr findet am Fraunhofer ITWM die einwöchige Herbstschule für Stipendiatinnen und Stipendiaten der Felix-Klein-Akademie statt. Dabei arbeiten die Studierenden in Gruppen gemeinsam mit den Expertinnen und Experten des Instituts an verschiedenen Projekten. Neben praxisnahen Aufgaben erwarten sie spannende Fachvorträge und ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm.

Die Gruppen setzen sich aus Mathe-Studentinnen und -Studenten in verschiedenen Fachsemestern der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) zusammen. Ihre Aufgabe besteht darin, ein reales Problem in ein mathematisches zu übersetzen. Ihre Ergeb­nisse präsentieren sie am Ende der Woche im Plenum. In diesem Jahr nahmen insgesamt 13 Personen teil, die vorab zwischen zwei Projekten mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten wählen konnten:

Unsere Gruppen in der Herbstschule 2026

Teilnehmende der Gruppe 1 während der Gruppenarbeit in der Herbstschule 2026 zum Thema »Einbahnstraßen gegen Durchgangsverkehr«.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmende der Gruppe 1 während der Gruppenarbeit in der Herbstschule 2026 zum Thema »Einbahnstraßen gegen Durchgangsverkehr«.

Gruppe »Einbahnstraßen gegen Durchgangsverkehr«

Betreuer:in: Klara Hoffmann und Michael Rihlmann, Bereich »Mathematik für Fahrzeuge, Systeme und Anlagen«

In diesem Projekt untersuchen die Studierenden, wie sich Durchgangsverkehr in Wohngebieten durch das gezielte Umdrehen einzelner Einbahnstraßen reduzieren lässt. Dafür wird das Straßennetz als mathematischer Graph modelliert und nach geeigneten Lösungen gesucht, die Wohnstraßen entlasten, ohne die Erreichbarkeit einzuschränken.

Ziel ist es die entwickelten Methoden anschließend anhand echter Straßennetzdaten aus Kaiserslautern zu testen und visualisieren.

Teilnehmende der Gruppe 2 während der Gruppenarbeit in der Herbstschule 2026 zum Thema »Analysis of Pore Networks Left by Dissolving Salt Particles«.
© Fraunhofer ITWM
Teilnehmende der Gruppe 2 während der Gruppenarbeit in der Herbstschule 2026 zum Thema »Analysis of Pore Networks Left by Dissolving Salt Particles«.

Gruppe »Analysis of Pore Networks Left by Dissolving Salt Particles«

Betreuerin: Jelena Zaninović, Bereich »Prozesse und Materialien«

In diesem Projekt untersuchen die Studierenden die Porennetzwerke, die beim Auflösen von Salzpartikeln in selbstheilenden Schutzbeschichtungen entstehen. Anhand von realen 3D-Nano-CT-Daten werden Eigenschaften der Porenstrukturen, beispielsweise Engstellen und die Verschlungenheit der Poren, analysiert.

Die Ergebnisse werden mit künstlich erzeugten 3D-Porensystemen verglichen, um besser zu verstehen, wie die Struktur der Poren das Verhalten und die Eigenschaften des Materials beeinflusst.

Leonhard Mühlberger: Mit Mathematik den eigenen Weg finden

Als Leonhard Mühlberger im Jahr 2023 an der Math Talent School teilnahm, wollte er vor allem eines: herausfinden, wie Mathematik außerhalb des Schulunterrichts angewendet wird. Drei Jahre später steht er kurz vor dem Beginn seines Mathematikstudiums an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Als neuer Stipendiat der Felix-Klein-Akademie nimmt er an der Herbstschule 2026 bei uns am Institut teil und arbeitet dort in seiner Gruppe an aktuellen Forschungsfragen.

Erste Begegnung mit Kaiserslautern

Mathematik war Leonhards Lieblingsfach in der Schule. Eine entscheidende Erfahrung für seine Studienwahl war jedoch die Teilnahme an der Math Talent School. Besonders die projektorientierte Arbeitsweise ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben. »Man konnte selbst was machen, sich als Team richtig in Probleme hineinbeißen. Auch das Rahmenprogramm war super.«

Neben der fachlichen Arbeit schätzte er vor allem den Austausch mit den Studierenden und Betreuenden, die die Projekte begleiteten. So erhielt er nicht nur Einblicke in die Angewandte Mathematik, sondern erfuhr auch viel über den Studienalltag in Kaiserslautern. »Über mögliche Berufsfelder erfährt man in der Schule oft nur wenig, das kommt da eher zu kurz« so der 19-Jährige. »Vom Felix-Klein-Stipendium für Mathematik habe ich dann eher zufällig erfahren, weil mich einer der Betreuer darauf aufmerksam gemacht hat.«

Vom Chiemsee nach Kaiserslautern

Für den Studienbeginn verlässt Leonhard seine Heimat in Bayern. Aufgewachsen in einem kleinen Ort in der Nähe des Chiemsees, hat er sich bewusst für Kaiserslautern entschieden. »Zur Math Talent School war ich 2023 das erste Mal in Kaiserslautern. Jetzt bin ich für mein Studium hierher gezogen.«

 

Unterstützung beim Studienstart

Beim Einstieg in Studium und Stipendium steht Leonhard nicht alleine da. Jede:r neue Stipendiat:in erhält eine persönliche Mentorin oder einen Mentor aus dem Kreis der erfahrenen Felix-Klein-Studis. Leonhards Tutorin ist Mareike Witzig, die selbst bereits an der Felix-Klein-Akademie gefördert wurde und auch an den Herbstschulen teilgenommen hat. Kennengelernt haben sich die beiden noch nicht persönlich. Das soll sich aber schon bald ändern. Für Leonhard ist die Betreuung eine wertvolle Möglichkeit, Fragen zum Studium zu stellen und von den Erfahrungen zu profitieren.

Gerade für Studienanfängerinnen und -anfänger schafft das Mentoring einen einfachen Einstieg in die Hochschulwelt und ermöglicht einen Austausch auf Augenhöhe mit Studierenden, die diesen Weg bereits gegangen sind.

Leonhard Mühlberger im Interview mit Esther Packullat.
© Fraunhofer ITWM
Leonhard Mühlberger im Interview mit Esther Packullat.

Lernen von erfahrenen Stipendiatinnen und Stipendiaten

Als neuer Stipendiat profitiert Leonhard in der Herbstschule besonders vom Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Anders als bei der Math Talent School kommen in der Herbstschule Studierende verschiedener Fachsemester zusammen. »Ich bin der einzige ganz neue Stipendiat. Dadurch kann ich jetzt natürlich sehr viel von den anderen lernen.«

Gruppenbild Abendessen
© Fraunhofer ITWM
Gruppenfoto der »Math Talent School« 2023

Mathematik mit Praxisbezug

In der Math Talent School arbeitete er schon mit anderen Schüler:innen aus ganz Deutschland an einem Projekt mit dem Titel »Reicht ein Maßband, um meinen Körperfettanteil zu bestimmen?« Dazu lernte die Gruppe die Grundlagen der linearen Regression kennen und setzte die Methoden mit der Programmiersprache R auf reale Datensätze an. Für Leonhard war das damals eine gute Gelegenheit, Mathematik praktisch anzuwenden und Programmiererfahrung zu sammeln. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit seinem aktuellen Projekt in der Herbstschule, wie vielfältig die Anwendungsgebiete der Mathematik sind: »Damals ging es um Körperfettmessung und Statistik, jetzt arbeiten wir an einem Optimierungsproblem für den Straßenverkehr.«

Seine Gruppe untersucht, wie sich Durchgangsverkehr in Wohngebieten durch das gezielte Umdrehen einzelner Einbahnstraßen reduzieren lässt. Dazu modellieren die Teilnehmenden Straßennetze, als mathemische Graphen und entwickeln geeignete Lösungsansätze.

»Wir hatten erst ein ‚falsches Modell‘ berechnet. Wir hatten vergessen, Ampeln und Abbiegevorgänge zu berücksichtigen, obwohl sie natürlich Einfluss auf die Fahrzeit haben. Daran haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, die richtigen Annahmen zu treffen«, berichtet Leonhard. Das zeigte ihnen eindrucksvoll, dass mathematische Modelle nicht einfach vorgegeben sind, sondern sorgfältig entwickelt werden müssen.

Ein Blick in die Zukunft

Für den frisch gebackenen Stipendiat markiert die Herbstschule den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Die intensive Projektarbeit und der Austausch bestärken ihn in seiner Entscheidung. »Vor allem das Niveau ist ein anderes. In der Herbstschule arbeiten wir eigenständiger. Programmieren spielt eine größere Rolle, und wir beschäftigen uns intensiv mit Methoden, die in Forschung und Praxis eingesetzt werden. Genau das gefällt mir: Ich lerne viel Neues.«

Dass angewandte Mathematik weit über klassische Rechenaufgaben hinausgeht, erlebt Leonhard auch abseits seines Projekts zur Verkehrsplanung. Besonders gespannt ist er auf die Exkursion. Dort kann er ein weiteres Anwendungsfeld kennenlernen, in dem Mathematik eine wichtige Rolle spielt: »Wir machen auch noch einen Ausflug zum Haus des Wassers. Es gibt nämlich auch Projekte am Institut zur Trinkwasserversorgung, darüber hat Prof. Karl-Heinz Küfer schon berichtet.«

Sein Weg zeigt beispielhaft, wie Angebote wie die Math Talent School junge Talente für die Angewandte Mathematik begeistern können und wie aus ersten Einblicken eine wissenschaftliche Laufbahn entstehen kann.